Slider

Sunnwendfuier und s´Johannisbluat

Der Johannistag am 24. Juni hängt eng mit der Sommersonnenwende, die wir heute feiern, zusammen. Sunnwendfuier und s´Johannisbluat sind Südtiroler Bräuche, die heute noch genauso wie früher zum Sommer dazugehören, und ich möchte euch einige vorstellen – und auch ein paar Rezepte dazu.

Quelle: pixabay

 

Sunnwendfuier

Mitte Juni zur Sommersonnenwende erreicht die Sonne ihren höchsten Stand und hat eine besondere Kraft.

Das Feuer als Symbol für die Sonne steht für Heilung, Segen und Fruchtbarkeit für Mensch, Tier und Natur. So werden früher wie heute am längsten Tag im Jahr reinigende Sonnwendfeuer entfacht und Fruchtbarkeitsrituale zelebriert.

 

Sonkta Hons

Im Volksglauben gilt die Hoch-Zeit des Jahres als magisch und sagenumwoben, es heißt Hexen und wilde Geister tanzen und feiern dieses Fest und jeder Mensch könne in der Mittsommernacht mit ihrer Hilfe kurzzeitig übernatürliche Kräfte erlangen.

Im Zuge der Christianisierung wurden diese Feste und Rituale umbenannt, die Sommersonnenwendfeuer zu Ehren von Heiligen angezündet und vom Herz-Jesu-Feuer und dem Johannisfeuer abgelöst.

Johannes des Täufers gilt – neben der Gottesmutter Maria – als der einzige Heilige, dessen Geburtstag mit einem Hochfest begangen wird. Er wird als besonders machtvoller Heiliger verehrt und so wurde die kraftvolle mystische Sonnenwendfeier, die in der Mitte des Jahreskreises liegt, zum Sonkta Honstog und zur Johannisnocht, die am 24. Juni kurz nach der tatsächlichen Sommersonnenwende liegt.

Wenn Johannes ist geboren, gehen die langen Tag verloren.

 

 

Johannisfuier

Er muass wochsn und i muass gian,

heißt es. Gemeint ist damit die Sonne, als Bild für Jesus Christus, deren Kraft ab Johanni wieder abnimmt und dafür soll der Glaube an Christi wachsen, der mit Johanni gestärkt wird.

Quelle: pixabay

 

Das Feuer als Symbol für die Sonne ist für Christen zugleich das Symbol für Christus. Johannes der Täufer selbst hat mit Feuer zu tun, denn er gilt als der Vorläufer Jesu. Johannes sagte voraus, dass Christus mit „Feuer und mit Geist“ taufen werde.

In Südtirol sind ihm an die 40 Kirchen geweiht. In einigen Orten Südtirols wird zu Johanni der Kirchtag gefeiert.

Das Jahr nimmt ein gutes End´, wenn das Johannisfeuer brennt.

 

 

Johannisnacht – 24. Juni

Die Johannesnacht ist besonders sagenumwoben. Es heißt nicht nur, in dieser Nacht könnte man die Tiere verstehen, auch manche Rutengänger glauben daran, dass sich die in der Johannisnacht geschnittenen Haselnusszweige besonders gut als Wünschelruten eignen.

 

Ein Fest für die Sinne

Die magische Mittsommernacht lädt uns ein, in der Mitte des Jahres einen Moment innezuhalten, Rückschau zu halten und dankbar die Fülle des eigenen Lebens zu würdigen.

Es ist auch die Zeit, unseren Visionen und Träumen nachzuspüren. In dieser Nacht kann die Kraft und die Energie des längsten Tages genutzt werden, um neue Kraft zu gewinnen.

Dieses Sonnenfest als Feuerfest zu feiern hat eine uralte Tradition. Wenn wir zur Mittsommernacht ein Feuer entzünden und mit lieben Menschen diesen besonderen Übergang feiern, verbinden wir uns wieder mit den uralten Ritualen und Bräuchen und halten diese lebendig.

 

Johannisblut

Dem Johanniskraut werden in der Volksmedizin große Heilkräfte zugesprochen. Das Johanniskraut gilt als Lichtpflanze für die Seele und als Symbol für die Lebensfreude. Seine Heilkraft ist um den Johannistag zur Zeit der Sommersonnenwende am stärksten.

Zerreibt man die frischen, gelben, noch ungeöffneten Blüten zwischen den Fingern, tritt ein blutroter Saft heraus, das Johannisbluat.

Das echte Johanniskraut – Hypericum perforantum – wird auch „durchlöchertes Johanniskraut“ genannt. Es hat kleine Pünktchen auf den Blättern. Diesen Effekt verursachen die durchscheinenden Öldrüsen in den Blättern. Im Volksglauben hält sich die Meinung, das sei das Werk des Teufels, der sich über die große Heilkraft des Johanniskrauts so geärgert und deshalb die Blätter mit Nadeln durchgestochen habe.

In der Volksmedizin wird mit dem blühenden Kraut das dunkelrote Johanniskrautöl angesetzt. Das „Johannisöl“ gehört in jede Hausapotheke, als Einreibemittel bei Hexenschuss, bei Kreiz– und Kniawea und bei olle Weatinger, aber auch innerlich bei Magenbeschwerden.

Quelle: pixabay

 

Viele Heilkräuter erreichen in der Zeit von der Sommersonnenwende bis Johanni den sogenannten balsamischen Zeitpunkt für die Ernte.

Die nächste wichtige Sammelzeit für Kräuter liegt um den 15. August, in der Zeit der „Frauendreißiger“.

 

Rezept Johannisöl

 ’s Johannisöl muasch selber mochn, sem hilfts nuamol sou guat.

  • In der Zeit um Johanni werden die frischen Blütentriebe gesammelt.
  • Das Öl bekommt eine schöne dunkelrote Farbe, wenn die leicht angewelkten Blüten samt ungeöffneter Blüten, Blätter und Samenkapseln zuerst im Mörser leicht gequetscht werden.
  • Dann werden sie halbvoll in ein Glas geschichtet und mit einem guten Olivenöl aufgefüllt. Dabei sollen alle Pflanzenteile* mit Öl bedeckt sein.
  • Danach das Glas mit einem luftdurchlässigen Tuch verschließen und in die Küche stellen.
  • Täglich umrühren.
  • Nach 9 Tagen das blutrote Öl abseihen und in dunkle Flaschen füllen.

*Sowohl Blüten und Knospen wie auch Blätter und sogar die jungen Samenkapseln enthalten wertvolle Inhaltsstoffe. Die Blüten enthalten Hypericin, die Blätter ätherisches Öl und die Samenkapseln Hyperforin.

Foto: Kräutererbe Bacherhof – Jutta Tappeiner

 

Das Johanniskrautöl wird in der Volksmedizin vor allem wegen der Flavonoide (entzündungshemmend) hoch geschätzt.

Es fördert:

  • die Wundheilung,
  • die Narbenbildung,
  • die Durchblutung
  • und wirkt schmerzstillend.

Äußerlich wird es bei:

  • Schnitt- und Schürfwunden,
  • Prellungen,
  • Verrenkungen,
  • Verstauchungen,
  • Verbrennungen,
  • Sonnenbrand,
  • Nervenschmerzen,
  • Hexenschuss,
  • Neuralgien,
  • verspannten Muskeln,
  • bei Herpes Zoster und
  • bei rheumatischen Beschwerden verwendet.

Innerlich soll es:

  • einem gereizten Magen helfen und
  • die Heilung von Magen-Darm-Geschwüren unterstützen.

 

 

Bleibt mir nur noch zu wünschen: Kraftvolle Sommersonnenwende und Johannisnacht!

 

Die Beschreibung der Bräuche habe ich – geringfügig verändert  – aus meinem Buch Lebendige Bräuche in Südtirol entnommen, das im November 2018 im Athesia Tappeiner Verlag erschienen ist. Die zweite Auflage ist im Buchhandel wieder erhältlich.

Schreibe einen Kommentar

Ich akzeptiere