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Das Zusammenwirken der “Kleinen”

Serie “Ernährung ist politisch”

Letzte Woche hat es Prof. Franger schon angedeutet. An die Endverbraucher*innen wird die Verantwortung für die Wegwerfgesellschaft gerne abgewälzt, doch Dr. Hudson nennt dies eine “Unverschämtheit”.

Unsere neue Serie im Blog @kräuterkraft

 

Bei der Lebensmittelverschwendung ist es laut Ihnen „eine Unverschämtheit, die Verantwortung auf den Endverbraucher abzuwälzen“. Erklären Sie uns das nochmals genauer?

Die Verschwendungskette beginnt in der industriellen Produktion bereits vor der Pflanzung der Saat: Der Vertragsbauer muss, um seine Verträge zur Lieferung seiner Rohstoffe einhalten zu können, weit mehr anpflanzen, als er eigentlich zur Vertragserfüllung braucht. Aber er muss schlechtes Wetter, mögliche Schädlinge etc. einberechnen.

D.h. um 100% abliefern zu können, reichen ihm 67,3% dessen, was er anpflanzt. Mehr als 30% sind von Anfang an als potentieller Überschuss in der Verschwendungskette, die geht dann weiter über den Handel, den Weiterverarbeiter, den Lebensmitteleinzelhandel bis zum Verbraucher.

Leider ist der Verbraucher, weil die Müllentsorgung kommunale Angelegenheit ist und nicht die von privaten Unternehmen, wie beim Lebensmitteleinzelhandel etwa, der einzige, bei dem man wirklich nachmessen und nachwiegen kann und damit einzig wirklich belastbare Zahlen hat.

Daher reitet man so auf dem armen Verbraucher rum. Er ist derjenige, den man sozusagen am leichtesten öffentlich erziehen kann.

Quelle: Pixabay

 

Dumm nur, dass in unserem Lebensmittelsystem die Verschwendung systemisch miteingebaut ist, es ist nämlich ein System, das auf schnellen Warenumsatz, Überschuss und Überfluss baut. Und in so einem System ist von Anfang an zu viel drin – und dann soll’ s am Ende der Verbraucher richten. Das ist einfach nur doof. Eigentlich müsste das System angepackt werden, der Überschuss im System, sorgsamere Produktion, weniger Verschwendung, kein Überfluss…

 

Was können wir jetzt nun wirklich als einzelne konkret tun?

Das hab ich jetzt schon ein bisschen oben geschrieben: Wir müssen mit den Lebensmittelhandwerkern und Bauern arbeiten, im Slow Food Sinne eigentlich KO-Produzenten werden, solche, die mit den Bauern und Lebensmittelhandwerkern im Schulterschluss für eine bessere und gerechtere Lebensmittelwelt engagiert sind.

Aber dann gibt es auch so ganz einfache Dinge, wie von der Slow Food Jugend empfohlen:

Kaufe Lebensmittel ohne Strichcode

 

Da ist man dann ganz schnell im ‘richtigen System’ !

Slow Food-Messe 2012, Stuttgart

Ursula Hudson; Foto: Holger Riegel

 

Dr. Ursula Hudson ist Vorstandsvorsitzende von Slow Food Deutschland und Mitglied des Vorstands von Slow Food International. Die Kulturwissenschaftlerin und Autorin behandelt in ihren Vorträgen und Büchern vor allem das Thema Essen, dessen Geschichte und Kultur, die Regionalität von Lebensmitteln und die kulinarische Bildung. Sie hat von 1996 bis 2004 an den Universitäten von Cambridge und Oxford (UK) gelehrt und geht seit 2005 einer freien Forschungs- und Autorentätigkeit nach.

 

 

ausgekocht? cosa bolle in pentola?

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