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Märzenkolb und Zigoristechn

Am Freitag fängt der März an. Das Märzenkolb und das Zigoristechen sind Südtiroler Bräuche, die heute noch genauso wie früher zum Frühlingserwachen dazugehören. Jutta Tappeiner wird euch heute davon erzählen.

Märzenkalb – 1. März

Ähnlich dem Aprilscherz verhält es sich mit dem Brauch der Irreführung am 1. März. Gelingt es zum Beispiel, den Blick des Gegenübers dorthin zu lenken, wo angeblich eine große Spinnawett (Spinne) oder dergleichen ist, wird der Betroffene mit Märzenkalb oder mit Märzenkotz (Märzenkatze) betitelt und herzlich ausgelacht.

 

Ausmärzen

Einzelne Bäuerinnen pflegen noch den Brauch, ihre wollenen und seidenen Trachtentücher und Schürzen zum Durchlüften und als Schutz vor Ungeziefer in die Märzensonne zu legen.

Vor Ostern werden das Haus und die Wohnung aufgeräumt und geputzt. Dabei wird alles Überflüssige ausgemärzt.

Foto: Pixabay

Dieses Entrümpeln befreit, schafft Platz für Neues und so hat sich der Frühjahrsputz zum Seelenbalsam entwickelt.

Foto Pixabay

Der Ausdruck ausmärzen stammt vom Brauch, im März die alten, schwachen und zur Tierzucht ungeeigneten Nutztiere auszusondern und auszumärzen.

 

Frühlingsbeginn

Der Beginn des Frühlings wurde schon zu Lichtmess angekündigt, nun wird es in der Natur sichtbar grün. Die Schneeglöckchen läuten den Frühling ein und mit der Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche am 21. März beginnt der kalendarische Frühling. Tag und Nacht, Licht und Dunkelheit halten sich die Waage.

 

Foto: Pixabay

 

Zigoristechn

Im Volksglauben haben Wildkräuter zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling eine besondere Heilkraft. Heute wird in dieser Zeit – vor allem im Überetsch und im Unterland – mit dem traditionellen Zigoristechn begonnen.

Aus den jungen Löwenzahnwurzeln samt der zarten Blätterrosette wird ein schmackhafter Zigorisalat zubereitet.

©Foto aus „Lebendige Bräuche in Südtirol“, Athesia Tappeiner Verlag

 

Bauernregel

Märzengrün soll man mit einem Schlegel in den Boden zurück schlagen.

…oder mit einer anderen Bauernregel ausgedrückt:

Märzengrian tuat im Tol und im Berg nit schian.

Wenn’s donnert in den März hinein, wird der Roggen gut gedeihn.

… und

Wenn im März viel Nebel fallen, im Sommer viel Gewitter schallen.

 

Rezept Zigorisalat

©Foto aus „Lebendige Bräuche in Südtirol“, Athesia Tappeiner Verlag

Zutaten

kleine Kartoffeln
junge Löwenzahnrosetten mit Wurzeln
Zwiebel
Salz
Pfeffer
Apfelessig
Olivenöl
hartgekochte Eier

 

Zubereitung
  • Kartoffeln in Salzwasser kochen,
  • schälen und
  • noch warm in dünne Scheiben schneiden.
  • Löwenzahnrosetten sorgfältig waschen, bürsten,
  • trockentupfen und klein schneiden.
  • Zwiebel schälen und fein hacken.
  • Alle Zutaten vermengen und mit Salz, Pfeffer, Essig und Öl marinieren.
  • Hartgekochte Eier schälen, halbieren und zum Zigorisalat servieren.

 

Die Beschreibung der Bräuche habe ich – geringfügig verändert – aus meinem Buch Lebendige Bräuche in Südtirol entnommen, das im November 2018 im Athesia Tappeiner Verlag erschienen ist. Die zweite Auflage ist jetzt im Buchhandel wieder erhältlich.

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