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Bräuche zu Lichtmess 2

Wie schon gestern angekündigt, folgt heute der zweite Teil zu den Bräuchen zu Lichtmess. Während ich euch im letzten Beitrag von Liachtmess allgemein, Maria Kerz, Schlenggltog, den Wochsstöcklen, dem Liachtmessfeierti und dem Weiberfest erzählt habe, geht es heute weiter, mit Sprüchen und sogar einem Rezept!

©Foto aus „Lebendige Bräuche in Südtirol“, Athesia Tappeiner Verlag

 

Türnägel

Am Lichtmesstag bereitete die Bäuerin für jene Dienstboten, die sich für ein weiteres Arbeitsjahr am Hof verpflichteten, eine besondere Speise zu, die sogenannten Türnägel. Der Name dieser Germteigkrapfen rührt daher, dass damit die Knecht und Diernen symbolisch am Hof „festgenagelt“ wurden.

Türnägel sind runde, gebackene und mit Preiselbeermarmelade gefüllte Germteig-Krapfen. Sie sind auch bekannt als Knia-Kiachl.

 

Rezept Türnägel
Zutaten

500 g Weizenmehl

250 ml zimmerwarme Milch

½ EL Zucker

25 g Hefe

50 g zerlassene Butter

3 Eidotter

etwas Zitronenschale

Fett zum Backen

Grantenmarmelade (Preisselbeermarmelade)

etwas Staubzucker zum Bestreuen

 

Zubereitung
  • Etwas zimmerwarme Milch mit Zucker, Hefe und einem Löffel voll Mehl verrühren und
  • diesen Teig mit einem Tuch zugedeckt an einem warmen Ort gehen lassen (Dampfl machen).
  • Restliches Mehl in eine große Schüssel geben, in der Mitte eine Vertiefung machen und das Dampfl hineingeben, etwas gehen lassen.
  • Dann abgekühlte Butter, Eidotter, etwas Milch und Zitronenschale unterrühren, bis der Teig Blasen wirft und sich vom Schüsselrand löst (evtl. noch Milch dazugeben).
  • Den Teig auf ein mit Mehl bestaubtes Brett geben und nochmals gehen lassen.
  • In gleich große Stücke teilen, zu Kugeln formen und gehen lassen.
  • Mit den Händen die Krapfen von unten gleichmäßig auseinanderziehen, sodass rundum eine Wulst entsteht und im heißen Fett backen. Dabei mit der Kelle das Fett drüber gießen, damit sich eine schöne Kappe bildet. Auf Küchenpapier abtropfen lassen, mit einem Esslöffel Grantenmarmelade füllen.
  • Vor dem Servieren mit Staubzucker bestreuen.

 

Liachtmess a Wetter-Lostag.

 Zu Liachtmess isches a Graus,

do schaug der Fux pan Loch heraus,

isches schiach, geatr wieder inni,

isches schean, bleibr hervour.

(aus dem Vinschgau)

(Und wieder hier für Nicht-Südtiroler 😉 die Übersetzung: Das Wetter zu Lichtmess ist ein Graus, da schaut der Fuchs beim Loch hinaus. Ist es schlecht, dann geht er rein, ist es schön, bleibt er hervor. Reimt sich natürlich nur im Dialekt…)

 

Lichtmess ist ein wichtiger Wetter-Lostag. Lostage sind Tage, denen eine besondere Bedeutung nicht nur in Bezug auf die Ernte und aufs Wetter zugesprochen wird. Trotz metereologischen Wettervorhersagen halten sich Sprüche und Bauernregeln um bestimmte Lostage genauso wie schicksalshafte Deutungen in Liebesdingen und anderen Hoffnungen.

Bedeutende Lostage sind zum Beispiel:

  • die Eisheiligen in der Zeit vom 12. bis zum 15. Mai
  • und als bedeutende Losnächte gelten die zwölf Rauhnächte, die Nächte von Weihnachten bis Dreikönig.

Der Begriff „Los“ erhält mit den Losnächten eine zusätzliche Bedeutung im Sinne von lousen, lauschen.

Foto: Pixabay

 

Bauernregeln

Bauernregeln sind meist in Reimform gefasste Sprüche, die von Generation zu Generation mündlich überliefert werden und meist Voraussagungen über das Wetter und die Ernte beinhalten.

Entstanden sind sie aufgrund von Beobachtungen an bestimmten Lostagen. Auch wenn sie keiner wissenschaftlichen Grundlagen entsprechen, bewahrheiten sie sich erstaunlicherweise oft und sind nach wie vor sehr beliebt.

Folgende Bauernregeln erinnern uns an den Wetter-Lostag zu Liachtmess:

Liachtmess im Klea, Oaschtern im Schnea.

(Übersetzung: Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee)

Liachtmess triab – isch in Bauern liab.

(Übersetzung: Lichtmess trüb – ist den Bauern lieb)

Isch’s an Liachtmess hell und klor, rechnet man af koan fruchtbors Johr.

(Übersetzung: Ist es bei Lichtmess hell und klar, rechnet man mit keinem fruchtbaren Jahr.)

Gibt’s an Lichtmess Sonnenschein, wird’s ein spätes Frühjahr sein.

(Übersetzung: Gibt es bei Lichtmess Sonnenschein, wird es ein spätes Frühjahr geben.)

Wenn’s zu Lichtmess stürmt und schneibt, ist der Frühling nimmer weit.

(Übersetzung: Wenn es zu Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nahe.)

Lichtmess hell und klor, gib’ a guats Roggenjohr.

(Übersetzung: Ist es bei Lichtmess hell und klar, gibt es ein gutes Jahr für den Roggen.)

Isch es zu Liachtmess klor und hell, kimmp ein zweiter Winter schnell.

(Übersetzung: Ist es bei Lichtmess klar und hell, kommt schnell ein zweiter Winter.)

Weiße Liachtmess, griane Oastern.

(Übersetzung: Weiße Lichtmess, grüne Ostern.)

Maria Lichtmess pa Tog s Nochtmohl ess.

(Übersetzung: Die Tage werden länger und man nimmt das Abendessen jetzt bei Tageslicht ein.)

 

Foto: Pixabay

 

Blasius am 3. Februar

Am Tag nach Maria Lichtmess geht es zum Blasiussegen, der heute vielerorts am darauffolgenden Sonntag nach dem Gottesdienst gespendet wird.

Heilige werden in Nöten und bei Anliegen angerufen, auch Kirchen sind einer Heiligen oder einem Heiligen geweiht. Früher trugen die Kinder oft einen heiligen Namen und heute noch sind die Namenstage der Heiligen im Kalender zu finden.

Die Namenstage der Heiligen oder die Heiligenfeste markieren das Bauernjahr, so gibt es zu Martini die erste Ernterate der Genossenschaften. Auch Jahrmärkte sind nach Heiligen benannt wie der Jörgimarkt oder der Martinimarkt.

Heilige werden meist mit ihren Attributen, welche auf ihr Leben oder ihr Martyrium verweisen dargestellt. Hier die Geschichte des heiligen Blasius:

Der heilige Blasius aus Armenien zählt zu den vierzehn Nothelfern und wird traditionell bei Halsbeschwerden und bei Zahnschmerzen angerufen. Der Legende nach rettete er einem Buben, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte, das Leben. Zur Erinnerung daran wird am 3. Februar, an seinem Namensfest, der Blasiussegen erteilt. Dabei hält der Priester den Gläubigen zwei gekreuzte brennende Kerzen vor den Hals.

 

Viel Freude mit den Bräuchen rund um Liachtmess und mit weiteren Bräuchen aus dem Buch „Lebendige Bräuche in Südtirol“.

wünscht Euch

Jutta Tappeiner Ebner vom Kräutererbe Bacherhof in Nals

 

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