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Die vergessene Kunst der Frauen…

Der erste Aromakrongress Südtirols rückt immer näher. Am Wochenende des 25. und 26. Mai ist es soweit! Das ganze Programm ist bestückt mit Highlights. Unter den Referent*innen befinden sich bekannte Expert*innen der Aromatherapie-Welt. Doch die Teilnehm*erinnen erwartet ein kultureller Genuß: die Wanderausstellung Opus Mulierum – die Vergessene Kunst der Frauen. Wir haben ein Interview mit Kuratorin Anke Brüchert geführt.

Foto: Andrea Bienert

Während des ersten Aromakongress Südtirols gib es auch die Wanderausstellung „Opus Mulierum“ zu besichtigen. Was gibt es da zu sehen?

Unsere Ausstellung “Opus mulierum – Die vergessene Kunst der Frauen” stellt 13 Frauen bzw. Frauengruppen aus vier Jahrtausenden vor, die in der Alchemie, Heilkunst, Kosmetik und Parfumherstellung wirkten und oft Pionierarbeit leisteten. Sie sind oft kaum bekannt – oder für anderes bekannt, wie Kleopatra oder Caterina Sforza. Im Zentrum der Ausstellung steht eine Nachbildung der ältesten bekannten Destille von 1850 v.u.Z. aus Zypern, die erst vor rund 20 Jahren gefunden wurde.

Dies ist die Nachbildung der Destille von 1850 v.u.Z., die in Pyrgos auf Zypern gefunden wurde. Foto: Anke Brüchert

Nach dem Gang durch vier Jahrtausende Destilliergeschichte führt ein roter Faden zu den heute destillierenden Frauen, die ebenfalls ihre Utensilien und praktischen Erfahrungen aus dem Haushalt für diese alte Kunst verwenden.

 

Destillieren ist also eine alte Kunst, vor allem der Frauen. Wieso denn das?

Es wird nachweislich seit 4000 Jahren destilliert, möglicherweise auch schon viel länger. Da die Pflanzenwässer für Heilkunst, Schönheit und Wohlgeruch verwendet werden können, ist es nicht verwunderlich, dass Frauen sich leidenschaftlich für sie begeisterten und mit ihnen experimentierten.

Alchimia als Verkörperung der Alchemie “Alchimia die kunst redet” Holzschnitt aus Leonhard Thurneysser (Schüler von Paracelsus), Quinta essencia, Leipzig 1574, Bildquelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Alkahest

 

Wieso braucht es Ihrer Meinung nach eine Ausstellung zu diesem Thema?

Wie so oft, sind die Werke der Frauen weniger bekannt als die ihrer männlichen Zeitgenossen und in Vergessenheit geraten, da vieles vor allem mündlich überliefert wurde. Wir fanden, es ist an der Zeit die spannenden historischen Frauen, die destilliert haben, mit einer eigenen Ausstellung zu würdigen.

 

Wer hat das Material zu dieser Ausstellung zusammengetragen?

Ein Kreis von 13 Frauen hat die Recherchen gemacht, eine 14. hat sich um den roten Faden gekümmert.

Die “Opus-Patinnen”- von links nach rechts hinten: Martina Habegger (Kleopatra), Simone Schalk (Anna von Sachsen), Susanne Fischer-Rizzi (Maria, die Prophetin), Anke Brüchert (Priesterinnen der Aphrodite), Dorothea Rupprecht (Maria Clementine von Martin), Sandy Kesenheimer (Grace Firth), Barbara Kircher-Storch (Katharina und Juliana von Nassau-Dillenburg) und vorne von links nach rechts: Monika Häußinger (Grafik), Silke Knoop-Paschen (Tapputi-Belatekallim), Rita Reinecke (roter Faden) und Petra Mönch (Wasserbrennerinnen). Es fehlen: Angelika Weigand (Kaiserin Zoe), Dr. Erika Maderna (Isabella Cortese), Katja Fauth (Caterina Sforza) und Sarah Daum (Marie Meurdrac). Foto: Anke Brüchert

 

Sie haben die Ausstellung kuratiert. War es auch Ihre Idee?

Die Idee entstand durch das historische Kapitel von Susanne Fischer-Rizzis “Das große Buch der Pflanzenwässer”, erschienen im AT Verlag, für das sie auch über die destillierenden Frauen und das “Opus mulierum” recherchierte.

Ich half bei der Recherche zum Tontäfelchen über Tapputi-Belatekallim, Parfumbereiterin in Mesopotamien. Deren und weitere zutage geholte Geschichten fand ich so faszinierend, dass ich zu Susanne sagte: “Eigentlich müsste es hierüber ein eigenes Buch geben – oder eine Wanderausstellung.”

Gesagt, getan. Unter ihren Schülerinnen fanden wir für jede Frau bzw. Frauengruppe eine passende Patin, die sich einige Monate ehrenamtlich an die Forschung machte. Und dazu natürlich selbst mit Leidenschaft destilliert und mit Pflanzenwässern verbunden ist.

Allerdings war die Auswahl der historischen Frauen nicht so leicht, denn Bedingung war eine eindeutige Quellenlage über die Herstellung von Pflanzenwässern durch diese Persönlichkeit oder Gruppe. Bei Trotula von Salerno oder Hildegard von Bingen gelang uns beispielsweise dieser Nachweis nicht. Auch konnten wir keine passenden Belege aus Kulturen wie Indien oder Mittelamerika finden. Aber die Forschung zur Destillationsgeschichte ist noch lange nicht am Ende!

Foto: Anke Brüchert

Was ist Ihr Werdegang? Und was machen Sie hauptberuflich? Und auch nebenberuflich 😉

Studiert habe ich Kulturwissenschaften und Ethnologie. Schon im Studium konnte ich an der Erstellung von Ausstellungen mitwirken, auch im Bereich Frauengeschichte, der mir sehr am Herzen liegt.

Nach dem Studium war ich neun Jahre lang bei Terre des Femmes für die Menschenrechte von Frauen tätig, anschließend in der Politik, mittlerweile in einem großen Naturschutzverband.

Die Liebe zu den (Heil-)Pflanzen pflege ich seit vielen Jahren in meiner Freizeit, intensiver noch seit einer Ausbildung bei Susanne Fischer-Rizzi.

 

Sie gehören zu den „Hüterinnen der Destillierkunst“. Was können wir darunter verstehen?

Die Destillation und Verwendung von Pflanzenwässern ist ein Kulturerbe, das wir bewahren und tradieren wollen. Wir möchten nicht nur die “historische Asche” hüten, sondern das Feuer der Leidenschaft für diese alte Kunst weitergeben an die nächsten Generationen.

 

Seit wann gibt es die Ausstellung und wo war sie schon zu sehen?

Erstmals gezeigt wurde sie im Mai 2015 beim Allgäuer Kräuterlandkongress. Seither war sie bei einigen Veranstaltungen im Bereich Aromatherapie, Kräuterkunde, Frauengeschichte zu sehen, von Berlin bis Basel.

Derzeit planen wir ein Crowdfunding, um eine englischsprachige Version erstellen zu können (wer uns hierbei unterstützen würde: Bitte eine Mail an mich schicken). Die Unabhängigkeit von Firmen und Sponsoren ist uns ein wichtiges Anliegen!

 

Gibt es auch Besuch*erinnenstimmen, die Sie uns verraten können?

Die BesucherInnen sind überrascht, weil ihnen vieles wirklich neu ist.

Sie sind fasziniert und inspiriert. Viele bekommen Lust, tiefer in die Welt der Pflanzenwässer einzutauchen. Und da sind sie ja bei der Destillierkunstschule an der richtigen Adresse!

 O-Ton: “Mich hat die Begeisterung berührt, mit der Ihr Eure Ausstellung recherchiert und präsentiert habt und ich fand sie sehr interessant.”

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und Zuspruch bei der Ausstellung während des Aromakongress Südtirol und auf dass die Recherche zur Destillierkunst weitergeführt werden kann!

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