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Die grüne Neune

Morgen ist Gründonnerstag und traditionell wird in unseren Breitengraden eine Wildkräutersuppe gekocht. Zumindest vom Hörensagen ist sie den Kräuterwissenden ein Begriff: Die “Grüne Neune”.

Ich werde dennoch häufig gefragt, was ich denn nun in die Grüne Neune gebe. Da wir gewohnt sind heutzutage, genaue Anleitungen zu erhalten, glauben wir, dass solche Dinge festgeschrieben sind. Aber dem ist nicht so.

Foto: Pixabay


So bin ich überzeugt davon, dass unsere Vorfahren viel pragmatischer gewesen sind.  Da nahezu alle der frühen Wildkräuter auch spirituelle, magische Bedeutung hatten, wurde sicherlich die benutzt, die in der unmittelbaren Umgebung zu dieser Zeit zum Vorschein kamen.

Was allerdings sehr wohl festgeschrieben war, für den Gründonnerstag, war die Anzahl der Kräuter, nämlich neun.

 

Warum die Neun?

Die Neun ist 3 mal die Drei, also quasi die Potenzierung der Kraft der Drei. Man muss wissen, dass für unsere Ahninnen, die viel näher an den Zyklen der Natur lebten, die Drei eine magische Zahl war. Es gibt drei Phasen im Leben: die Jugend, das Erwachsenenalter und das Alter. Das schlug sich in der Spiritualität nieder: die drei Nornen oder auch die drei Bethen, wie sie bei uns hießen. Sie waren die Schicksalsgöttinnen, die den (Lebens)Faden spannen, webten und schließlich durchschnitten.

Es gibt drei Wünsche, drei goldene Haare, drei Brüder, drei Schwestern und drei Prüfungen in den Märchen. Aus der Vereinigung von zwei eigenständigen Individuen entsteht ein drittes eigenständiges Individuum. Das mutet schon a bissl wie Magie an, nicht wahr? Für unsere Ahninnen sicherlich, die weniger an Biologie interessiert waren. (Obwohl ich die Gesetzte der Biologie selbst auch immer als magisch empfunden habe und noch heute so empfinde. Sie hatten für mich nie eine entmystifizierende Wirkung, sondern lassen noch mehr das Mysterium erkennen.)

Also war die Drei wie eine Zauberformel, mit der sich Wünsche manifestieren konnten und dreimal die Drei war wie eine dreimalige Bekräftigung desselben. Und Zauber war so früh im Frühling sehr wohl nötig, hing doch am zukünftigen Verlauf die Ernte eines ganzen Jahres ab, mit der man im Winter überleben konnte. Was liegt also näher, als sich mit der magischen Kraft der Neun die Kraft der Kräuter einzuverleiben und damit für sich und seiner Familie zunutze machen?

 

Die Kräuter

Die Kräuter wurden meist auch nicht einfach abgerissen, sondern mit Gebeten, Sprüchlein und Ritualen achtsam gepflückt. Man wollte sich die Kraft der Natur und deren Wesen nicht gegen sich aufbringen.

Und was könnte drinnen gewesen sein? Oder was könnte man heute hineingeben. Hier ein paar Beispiele:

  1. die Gundelrebe, die das Alte, Stinkende austreibt
  2. die Brennnessel, die schützt und die Vitalkraft stärkt
  3. die Birkenblätter, die sich trauen und den Anfang wagen
  4. die Knoblauchrauke, die sich dreimal wandelt
  5. das Gänseblümchen, das Blümchen, das Wunden heilt
  6. der Spitzwegerich, der die rechten Wege kennt
  7. die Schafgarbe, die Freundin des Leibes
  8. der Löwenzahn, der die Leber stärkt
  9. der Bärlauch mit der Bärenkraft, vor dem jede Krankheit weicht

So könnte heuer meine Grüne Neune ausschauen.

 

Idee

Foto: Pixabay

Ich werde, um die Kraft übers Jahr zu konservieren, ein Kräutersalz daraus machen, natürlich mit allerhand Segenssprüchlein versehen und bei Bedarf als magische gutschmeckende Zutat über das Gericht streuen.

 

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