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Osterbräuche Südtirols

Auch wenn Weihnachten heute festlicher erscheint, bleibt Ostern für Christen das Fest der Feste. Neben den liturgischen Feiern vom Leiden und Sterben Jesu und den religiösen Symbolen haben sich in Südtirol rund um das Osterfest zahlreiche Bräuche erhalten, wie die Steckeleweihe (der Weihe von Holzstöcken), der Fochazbrauch (einem süssen Gebildebrot) und’s Goggelepeckn (ein Eierspiel).

Die Steckeleweihe

Zu allen wichtigen Festen im Jahreskreis gehört seit jeher das Feuer als Symbol für die Sonne. Die Lichtsymbolik ist auch im Christentum von großer Bedeutung, denn Christus selbst ist das Licht, das mit der Osterkerze in die Welt hinausgetragen wird.

Foto: Pixabay

Heute noch wird in einigen Gemeinden vor der Kirche ein Holz-Feuer entzündet, geweiht und mit einer Kerze in die Kirche gebracht.

In manchen Orten bringen Bauern und Hearische für die Feuerweihe ihre Holzscheitlen von daheim mit, um sie im Osterfeuer aus Kranewitt- (Wacholder-) Ästen zu weihen. Die angekohlten Scheiter werden mit nach Hause genommen und damit werden kleine Holzkreuze gebastelt. Oder die geweihten Steckelen werden in die Äcker, Felder oder in den Garten gesteckt, damit diese fruchtbar werden.

 

Der Fochaz-Brauch

Das Wort Fochaz kommt vom ladinischen „focaccia“, Ofenbrot. Aus einem süßen Germteig werden Gebildebrote in Form von Hennen, Hasen, Zöpfen oder Kranzlen geformt.

Der Überlieferung nach nimmt, wer von einem geweihten Osterfochaz isst, einen besonderen Segen in sich auf.

©Foto aus „Lebendige Bräuche in Südtirol“, Athesia Tappeiner Verlag

 

In Südtirol bekommen die Patenkinder von ihren Paten einen Fochaz, die Mädchen eine Henne, die Buben einen Hasen. Oft werden auch Kränze mit bunten Eiern verschenkt. Früher war für die Kinder der Fochazbrauch oft mit einer kleinen Überraschung verbunden. Wenn sie verdickte Stellen im Brot entdeckten, war dies der eindeutige Hinweis auf ein verstecktes, eingebackenes Geldstück.

 

Rezept Süßer Germteig-Fochaz

für 2–3 große Gebäcke

ZUTATEN GERMTEIG

500 g Weizenmehl
25 g Germ
80 g Zucker
etwa 250-270 ml Milch (erwärmen)
8 g Salz, schwacher TL
1 Ei und 2 Eigelb
1 TL Naturvanillezucker
1 EL Ruhm
Zitronenschale, gerieben
80 g Butter (bei geringer Hitze schmelzen)

ZUBEREITUNG DES DAMPFLS
  • Mehl in eine Schüssel sieben,
  • in der Mitte eine Vertiefung machen,
  • Germ einbröseln,
  • mit wenig Zucker und der warmen Milch verrühren,
  • leicht mit Mehl bestreuen
  • und zugedeckt an einem warmen Ort 15–20 min gehen lassen.
ZUBEREITUNG DES GERMTEIGES
  • Salz am Rand auf das Mehl streuen.
  • Eier, Zucker, Geschmacksstoffe und geschmolzene Butter ins Dampfl geben,
  • verrühren und mit dem Mehl zu einem mittelfesten glatten Teig schlagen.
  • Wenn nötig noch etwas Milch dazugeben.
  • Den Germteig etwa 30 Minuten zugedeckt an einem warmen Ort stehen lassen, bis er die doppelte Größe erreicht hat.
  • Jetzt den Teig nach Belieben weiterverarbeiten. Z.B. Kranz, Zopf, Henne, Strudel, Hase, Kleingebäck, rundes Osterbrot mit Anis uvm.
Tipp:

Der Germteig kann auch mit Vollkornmehl zubereiten werden: Dazu nimmt man 250g Dinkelvollkornmehl und 250g feines Dinkel- oder Weizenmehl, anstatt Zucker 50g Honig und etwa 250ml Milch, die anderen Zutaten bleiben gleich.
Die Zugabe von Flüssigkeit richtet sich nach Größe der Eier und nach der Mehlbeschaffenheit.

 
ZUBEREITUNG HENNE

Drei gleichmäßig dünner werdende Teigstränge rollen und zu einem Zopf flechten.

Daraus eine Henne formen, indem das schmale Ende den Kopf bildet und das dicke den Schwanz.

Als Auge wird eine Rosine in den Kopf der Henne gedrückt.

 

ZUBEREITUNG HASE

Einen Teigstrang ausrollen, der auf einer Seite zunehmend dicker sein soll.

Dieses dickere Ende nach unten abbiegen, damit eine sitzende Position entsteht.

Als Kopf ein ovales Teilstück rollen, mit einem Messer von der Spitze her bis zur Hälfte einschneiden. Das sind die Ohren.

Das dünne Teigstück vorne mit Eiweiß bestreichen und dort den Kopf anbringen. Eine Rosine als Auge in den Kopf drücken. Eine kleine Kugel hinten als Schwänzchen anbringen.

 

  • Henne bzw. Hase werden auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech geformt.
  • Zugedeckt an einem warmen Ort (40 Grad) gehen lassen.
  • Ein Eigelb mit wenig Milch verrühren, die Teiggebilde damit bestreichen und nach Belieben mit Hagelzucker bestreuen.
  • Im vorgeheizten Backofen bei 180 Grad Umluft ca. 15–20 min schön braun backen und auf einem Gitter auskühlen lassen.

 

Der Osterkorb

Ein heute noch lebendiger Brauch ist die Speisenweihe am Ostersonntag, wo ein Fochaz oder ein Germteiglamm, gefärbte Eier, Butter, Salz, ein Osterschinken oder Geselchtes und Meerrettichwurzel in einem Osterkorb in die Kirche getragen, gesegnet und als das Giweichte (geweihte Speisen) beim Mittagessen verspeist werden.

Möglicher Inhalt eines Osterkorbes. ©Foto aus „Lebendige Bräuche in Südtirol“, Athesia Tappeiner Verlag

 

Der Brauch der Speisenweihe reicht über tausend Jahre zurück, er wird schon im 9. Jahrhundert erwähnt. In der Fastenzeit war es verboten, Fleisch von Warmblütlern und Eier zu verzehren, und so waren die geweihten Speisen auch ein Ausdruck der Osterfreude nach der langen Entbehrung.

Endlich konnte nach der Fastenzeit wieder richtig zugepackt werden. Um dabei Magenverstimmungen zu vermeiden, sollten die Speisen durch das Weihen „verträglich“ gemacht werden.

 

Goggele-Pecken

Rund um das Ei gibt es viele Osterbräuche, wie das Goggele-Pecken oder Guffen. Bei diesem beliebtesten Osterspiel werden jeweils zwei hart gekochte Eier aufeinander gepeckt.

©Foto aus „Lebendige Bräuche in Südtirol“, Athesia Tappeiner Verlag

Die Ostereier werden Spitz auf Spitz und Guff auf Guff aneinander geschlagen. Der, dessen Ei den Schlag aushält, gewinnt das eingeschlagene Ei des Gegners. Besonders Spitzfindige haben früher ein ausgeblasenes Ei mit flüssigem Pech befüllt und so die anderen überlistet.

Das Ei gilt seit jeher als ein Symbol für die Fruchtbarkeit, für junges Leben, für die ersehnte Frühlingszeit und als ein Glücksbringer.

 

Die Beschreibung der Bräuche habe ich – geringfügig verändert – aus meinem Buch Lebendige Bräuche in Südtirol entnommen, das im November 2018 im Athesia Tappeiner Verlag erschienen ist. Die zweite Auflage ist jetzt im Buchhandel wieder erhältlich.

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