Heilpflanze des Jahres 2018

Wer legt denn eigentlich fest, was die Heilpflanze des Jahres ist?

Nun, es sind zwei Institutionen, die das für sich in Anspruch nehmen und daher gibt es jährlich zwei Heilpflanzen des Jahres: Die Universität Würzburg hat heuer den Andorn zur Heilpflanze des Jahres 2018 erwählt und der „Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, gen. Paracelsus e.V. (NHV Theophrastus)“ hat den Ingwer zur Heilpflanze des Jahres erwählt. Wer von den beiden Institutionen nun wichtiger ist, die wahre Heilpflanze des Jahres zu ernennen, überlasse ich anderen zu beurteilen. Und da wir ja schon einiges über den Ingwer wissen, stelle ich euch heute den Andorn vor.

Der Andorn (Marrubium vulgare) wächst auch bei uns in Südtirol wild an den trockenen heißen Hängen am Vinschger Sonnenberg und auf Castelfeder in Unterland. Er ist stark gefährdet, steht aber nicht unter Schutz.

Marrubium vulgare - Köhler–s Medizinal-Pflanzen-224.jpg

Der Andorn ist unscheinbar und ähnelt einigen anderen Pflanzen wie der Melisse, der Katzenminze, der Taubnessel und dem Schwarzen Andorn. Er gehört wie diese zu den Lippenblütlern. Ich erkenne ihn an seinem bitteren Geschmack.

Er blüht von Juni bis September und erreicht Höhen von etwa 30 bis 80 cm. Die Pflanze besitzt kleine weiße Blüten und hohle filzig behaarte vierkantige Stängel. Zusätzlich sind auch die Unterseiten der am Rand gezähnten Blätter der Heilpflanze behaart.

Er enthält den Bitterstoff Marrubiin sowie ätherische Öle, Harze, Schleimstoffe und Gerbstoffe.

Als Heildroge geerntet werden seine oberen Stängelteile und Blätter vor oder während der Blüte.

Heute ist die Heilpflanze beinahe in Vergessenheit geraten. In alten Zeiten wurde sie hoch geschätzt und bei Appetitlosigkeit, Reizmagen sowie bei Verdauungs- und Atemwegsbeschwerden eingesetzt. Der Arzt und Dichter Walahfrid Strabo, Abt des Klosters Reichenau am Bodensee, berichtete in der Mitte des 9. Jahrhunderts in seinem berühmten Gartengedicht «Hortulus» vom Andorn:

«Zwar brennt er scharf im Mund und sein Geschmack unterscheidet sich sehr von seinem Geruch: Er duftet süss, schmeckt aber scharf. Er kann jedoch starke Beklemmung der Brust lindern, wenn man ihn als bitteren Trank zu sich nimmt. Sollten die Stiefmütter je feindselig bereitete Gifte mischen in das Getränk oder in trügenden Speisen verderblich Eisenhut mengen, so scheucht ein Trank des heilkräftigen Andorn, unverzüglich genommen, die drohenden Lebensgefahren.»

Tatsächlich schafft die Pflanze nicht nur unseren Körper von Giften zu befreien, er löst auch Schwermetalle aus dem Boden, auf dem sie wächst. Ein wahrlich wertvolles Kräutlein!

Andorn-Entgiftungstee

Zutaten:
20 g getrocknetes Andornkraut 
10 g getrocknete Pfefferminzblätter
10 g getrocknete Löwenzahnwurzel 

Zubereitung:
Von dieser Mischung zwei Teelöffel mit kochendem Wasser übergießen und fünf bis zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen. Dreimal täglich eine Tasse Tee über einen Zeitraum von 4 Wochen trinken. 
Bitte nicht verwenden bei Gallenentzündung oder Gallensteinen. 

 

Schreibe einen Kommentar